Author: DES. THOMAS EMMRICH DR.1
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  • 1 Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main
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Das Sprechen über den Holocaust treibt die Ausdrucksfähigkeit der Sprache an die Grenze zum Unsagbaren. Mit Primo Levis Ist das ein Mensch? Ein autobiographischer Bericht und Imre Kertész’ Roman eines Schicksallosen sollen zwei unterschiedliche Modelle des Sprechens über den Genozid, der Zeugenschaft und der Kritik gegenübergestellt werden. Während Levis Kritik explizit moralisch begründet ist, i. e. sich an der binären Leitdifferenz von „gut“ und „böse“ orientiert, basiert diejenige von Kertész auf den für eine Kritik am Holocaust inadäquaten Kriterien von Effizienz, Ästhetik sowie Lustökonomie. Zum einen soll dargelegt werden, dass Kertész trotz der verstörenden Abwehr moralischer Wertungen auf der Inhaltsebene des Romans jene klandestin auf der erzählperspektivischen und performativen durchaus zur Geltung bringt. Obzwar sich gravierende Unterschiede zwischen Levis Ist das ein Mensch? und Kertész’ Roman eines Schicksallosen ergeben, gilt es zum anderen zu rekonstruieren, dass beide literarische Konzepte der Zeugenschaft und der Kritik unzureichend und unvollständig bleiben müssen. Der Holocaust suspendiert nicht nur die Souveränität der Sprache, sondern zeugt auch von der Aporie der Zeugenschaft und der Kritik.

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