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  • 1 Technische Universität Institut für Psychologie Emil-Figge-Straße 50 D-44221 Dortmund Deutschland
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In Deutschland übernehmen seit Mitte der 90er Jahre Notfallseelsorger häufig die Betreuung von Personen, die durch einen Notfall stärker beeinträchtigt sind und psychosoziale Notfallhilfe benötigen. Zu diesen Notfallopfern gehören die direkten Notfallopfer, aber auch indirekte Notfallopfer wie Angehörige, Augenzeugen und Verursacher. Im Rahmen dieser Aufgabe überbringen Notfallseelsorger beispielsweise gemeinsam mit der Polizei eine Todesnachricht oder betreuen Eltern, deren Kind plötzlich verstorben ist. Diese Betreuung der direkten und indirekten Notfallopfer erfolgt überwiegend in der Wohnung der Betroffenen. Dies erfordert eine besondere Sensibilität der Notfallseelsorger, da sie einerseits als Gast kommen, andererseits die Führung in diesem Setting übernehmen müssen. Notfallseelsorger werden insbesondere häufig zu Notfällen gerufen, bei denen Tote oder Sterbende zu verzeichnen sind. Die Alarmierung erfolgt meist über die Leitstelle der Feuerwehren, aber auch die Einsatzkräfte vor Ort können Notfallseelsorger nachalarmieren. Die Zusammenarbeit von Notfallseelsorgern mit anderen Helfergruppen wie Polizei, Rettungsdienste etc. ist inzwischen weitgehend etabliert, allerdings gestaltet sie sich aus diversen Gründen, wie etwa einer unterschiedlichen Organisationskultur nicht immer ganz einfach. Als extrem schwierig stellt sich die Arbeit von Notfallseelsorgern im Großschadensfall dar, da unter großem Zeitdruck und mit zunächst mangelnden Ressourcen schnell weit reichende Entscheidungen gefällt werden müssen. Notfallopfer können sehr starken Belastungen ausgesetzt sein, wobei zwischen physiologischen Belastungen wie Schmerzen und psychologischen Belastungen wie Kontrollverlust zu unterscheiden ist. Mitentscheidend für die Folgen sind neben den Belastungen biologische, soziographische und psychologische Moderatorvariablen, die die Belastungen mildern, aber auch verstärken können. Auch die Arbeit der Helfergruppen und damit das Verhalten von Notfallseelsorgern hat einen wesentlichen Einfluss auf die Folgen von Notfällen. Dementsprechend fallen auch die Reaktionen und Folgen von Notfällen völlig unterschiedlich aus. Die Betreuung von Notfallopfern besteht in der Regel aus einem einmaligen Kontakt, allerdings mit sehr unterschiedlicher Dauer. Dann sollte, falls notwendig, eine Weiterverweisung an Fachkräfte oder Gemeindeseelsorger erfolgen. Die Arbeit von Notfallseelsorgern sieht so aus, dass sie beispielsweise die inneren und äußeren Ressourcen von Notfallopfern aktivieren. Außerdem spielt die Psychoedukation bei direkten und indirekten Notfallopfern eine sehr wichtige Rolle. Notwendig für eine professionelle Arbeit ist eine gute Ausbildung, die auch zukünftig bundesweit einheitlich erfolgen sollte. Auch sollte eine Qualitätskontrolle und Evaluierung der Arbeit von Notfallseelsorgern erfolgen, und sie sollten verbindlich in Alarmierungspläne eingebunden werden.

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