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‘Linguistic Traces’: Studying the Attachment of Spiritual Leaders in Different Religious Communities

Untersuchung der Bindung von spirituellen Leitern in verschiedenen religiösen Gemeinschaften

European Journal of Mental Health
Authors:
Andrea Midling
and
László Czigány

Im vergangenen Jahrzehnt ist das Interesse an religiösen Phänomenen auch in den verschiedenen akademischen Disziplinen immer größer geworden. Die Pluralität der religiösen Phänomene erfordert, zur wissenschaftlichen Untersuchung von Religion differenzierte Instrumente einzusetzen. Die vorliegende Studie steckt sich zum Ziel, in die Forschung zu den religiösen Beziehungen, die in der einschlägigen Fachliteratur als „Meister-Schüler-Beziehung“ bezeichnet werden, einen Einblick zu geben. Zu diesem Zweck wurden AAI Interviews mit spirituellen Leitern verschiedener religiöser Gemeinschaften aufgenommen. Die Bindungsprozesse in der Kindheit bilden die Grundlage dafür, wie sich die Bindung später in den Erwachsenenbeziehungen ausprägt. Der Verarbeitungsgrad von Bindungserfahrungen und die emotional-kognitive und reflexive Flexibilität der befragten Person können aufgrund ihrer sprachlichen Äußerungen beurteilt werden. Die Erkenntnis der Bindungstheoretiker, dass sich vorangegangene Bindungserfahrungen auf die Beziehungsgestaltung des Erwachsenen auswirken, regte die Forscher in den 90er Jahren dazu an, die Bindungsrepräsentation der Erwachsenen zu untersuchen. Es wurde erkannt, dass auch die Bindungsrepräsentation von Erwachsenen eingeschätzt und gemessen werden kann, und zwar über die Analyse von sprachlichen Beschreibungen der Bindungserfahrungen. Um die sprachliche Organisation von bindungsrelevanten Aussagen identifizieren und operationalisieren zu können, wurde das semistrukturierte Bindungsinterview „Adult Attachment Interview (AAI)“ entwickelt. Als wichtiges Auswertungskriterium des AAI gilt die – auch für unsere Untersuchung relevante – sprachliche Kohärenz. Daher steht in der Auswertung der Interviews auf wörtlicher Transkriptebene nicht der Inhalt der erinnerten Geschichte im Fokus, sondern die sog. Kohärenz , in welcher die Beziehungserfahrung dargestellt wird. Zur Auswertung der Interviews wurden die vom englischen Sprachphilosophen Paul Grice festgelegten relevanten Kommunikationsregeln, die sog. Konversationsmaximen herangezogen. Obwohl bei der Aufnahme und Bearbeitung der Interviews nur die eine Seite der Meister-Schüler-Beziehung (Meister) untersucht und die andere (Schüler) ausgeblendet wurde und daher kein vollständiges Bild von dieser Bindungsbeziehung gewonnen werden konnte, war festzustellen, dass die eingesetzten Methoden (AAI und die Maximen von Grice) konkrete Informationen über die Meister-Schüler-Beziehung und den Bindungsstil des jeweiligen Meisters auf unmittelbarere Weise zugänglich machen. Aus dem Bindungstyp kann weiters auf den Charakter der Meister- Schüler-Beziehung bzw. auf die Art und Weise der Begleitung geschlossen werden.

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