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Nach und in der Zeit der Reformen zur Zeit Alexander II im Rußland, under den Bedingungen der sich entwickelnden Reaktion wurde die politische Beobachtung und Überwachung sowie die Fahndung im In- und Ausland ein zentrales Mittel der zaristischen Politik. Das Department No. 3 existierte als Abteilung der Hofkanzlei nicht lediglich außerhalb des Systems der staatlichen Institutionen (sie ist in den Gesetzenstexten nicht ein einziges Mal erwähnt), nein, sie stand offensichtlich über ihnen. Jeder Minister und Behördenleiter mußte den Anordnungen der Abteilung Nr. 3 bedingungslos Folge leisten. Die grundlegende Quelle dieser Studie ist der Aktenbestand (Fond) 109 des Zentralen Staatsarchivs von Rußland (CGAR), in dem sich das Material des Archivs der Abteilung Nr. 3 befindet. Hier haben wir geschickte Rundbriefe an die Zeitungsredaktionen und Register nicht öffentlicher Angelegenheiten gefunden, z.B. auch Berichte ausländischer Agenten, die zahlreiche Momente des innenpolitischen Lebens ihres jeweiligen Einsatzlandes und die Wirkung der russischen Innen- und Außenpolitik auf die verschiedenen Länder Europas beinhalten. Auf den meisten Berichten ist die eigenhändige Paraphe des Zaren zu sehen, ein Beleg dafür, wie sehr der russische Monarch den Wandel der inneren und außeren öffentlichen Meinung verfolgte. Seine eigenen Qualitäten, seine Eitelkeit und beeinflußbare Persönlichkeit machten ihn für Stimmungen in der Öffentlichkeit empfänglich. Er sehnte sich nach Beliebtheit, bestand jedoch auf seinen monarchischen Rechten. Daher reagierte er empfindlich auf Berichte über Kritik an seiner offiziellen Politik. Das außenpolitische Material der Abteilung Nr. 3 ist zwischen 1860-1878 sehr mannigfaltig. Die wichtigsten Themen dieses Materials sind die folgunden: Englands Politik gegenüber Rußland, die Balkanfrage und im Zusammenhang damit Rußlands militärische Stärke. Mehrmals geht es in den Berichten um Napoleon III., um den Krieg zwischen Preußen und Frankreich und um das Verhältnis zwischen Österreich, dabei besonders den Slawen in Österreich, und Rußland. Die vorgeführten Materialien gruppieren sich chronologisch um die Jahre 1868-70 und 1876/77. Die Briefe von vor 1870 oder aus dem Jahr 1870 behandeln die Lage und die Bestrebungen der slawischen Bevölkerung in der Monarchie und analysieren die Folgen des Ausgleichs von 1867. Die Berichte aus den Jahren 1876/77 untersuchen die slawischen Bewegungen unter dem Blickwinkel der europäischen Großmächte. Die Quelle machen anschaulich, in wie verschiedener Form die Informationen an die Abteilung gelangen: erstens als zusammenhängende Agentenberichte, zweitens als Briefe von Privatpersonen, die direkt die Abteilung oder den Zaren informieren wollten, drittens die abgefangenen Briefe verdächtiger Privatpersonen.

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