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  • 1 Péter Pázmány Katholische Universität, Budapest, Hungary
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Abstract

Theodor Herzls Name ist in erster Linie mit dem Zionismus und der Grundlegung dessen, was als Judenstaat bezeichnet wurde, verknüpft. Der gebürtige Ungar, der später in Wien studierte und sesshaft wurde, war allerdings in seiner Jugend weit davon entfernt und hegte noch ganz andere Pläne. Er wünschte sich anstelle einer juristischen Karriere vielmehr eine Laufbahn als erfolgreicher Bühnenautor des Burgtheaters und/oder als Feuilletonist der Neuen Freien Presse. Seine Anstrengungen blieben nicht erfolglos. Während er als Dramatiker eher als gutes Mittelmaß galt, etablierte er sich zuerst als Paris-Korrespondent, letztlich als gefeierter Feuilleton-Autor der angesehensten Zeitung Wiens, der Neuen Freien Presse. Dort anzukommen war aber ein Weg, der fast eine ganze Dekade in Anspruch nahm. Die vorliegende Studie hat sich als Ziel gesetzt, diesen bislang unerforschten, langen und oft nervenzermürbenden Prozess mit all den Versuchen, Ablehnungen, seelischen Tiefen, Hoffnungen und erneuten Anläufen darzustellen.

Abstract

Theodor Herzls Name ist in erster Linie mit dem Zionismus und der Grundlegung dessen, was als Judenstaat bezeichnet wurde, verknüpft. Der gebürtige Ungar, der später in Wien studierte und sesshaft wurde, war allerdings in seiner Jugend weit davon entfernt und hegte noch ganz andere Pläne. Er wünschte sich anstelle einer juristischen Karriere vielmehr eine Laufbahn als erfolgreicher Bühnenautor des Burgtheaters und/oder als Feuilletonist der Neuen Freien Presse. Seine Anstrengungen blieben nicht erfolglos. Während er als Dramatiker eher als gutes Mittelmaß galt, etablierte er sich zuerst als Paris-Korrespondent, letztlich als gefeierter Feuilleton-Autor der angesehensten Zeitung Wiens, der Neuen Freien Presse. Dort anzukommen war aber ein Weg, der fast eine ganze Dekade in Anspruch nahm. Die vorliegende Studie hat sich als Ziel gesetzt, diesen bislang unerforschten, langen und oft nervenzermürbenden Prozess mit all den Versuchen, Ablehnungen, seelischen Tiefen, Hoffnungen und erneuten Anläufen darzustellen.

„[…] ich kann nicht schreiben, ich kann nichts zustande bringen, ich bin – nein kein Dummkopf, aber ein mittelmässiger Dutzendkerl, der vor lauter Faulheit und Untauglichkeit zu einem ernsteren geistigen Arbeiten sich für einen Schriftsteller hält.“1 Diese Zeilen stammen vom 22-jährigen Theodor Herzl, der sie im Februar 1882 in seiner Verzweiflung infolge einer misslungenen Bewerbung als Journalist zu Papier brachte.

Die ersehnte Anerkennung wurde ihm zwar zuteil, ließ allerdings noch ein Dezennium auf sich warten. Erst das Jahr 1891 bedeutet einen Meilenstein in der Karriere von Herzl, der als Bühnenautor und Feuilletonist diverser deutschsprachiger Blätter schon in den 1880er Jahren bekannt war, der aber seinen Durchbruch erst nach Erlangung der Pariser Korrespondenzstelle der Neuen Freien Presse schaffte. Die sehr üppige, jedoch kaum überschaubare Herzl-Literatur befasst sich nur marginal mit jenen Jahren seiner journalistischen Laufbahn, die nach den Budapester Jahren ihren Anfang nahmen und sich bis zur Vorpariser Periode erstrecken. Diesem Desiderat soll nun ein Ende gesetzt werden, indem Herzls Tagebücher und Briefe aus dieser Sicht gelesen und pressegeschichtlich kontextualisiert sowie mit eigenen Forschungsergebnissen ergänzt werden, wobei die Personen um Herzl, seine Kontakte und die Blätter eine historische Auswertung erfahren.

Das Paradigma der deutschen Kultur – ein Muss für Herzl?

Bei der Verbreitung der Bildung in schulischen Einrichtungen der Juden in Ungarn spielte die Haskala, die jüdische Aufklärung, eine große Rolle. Diese Ideologie war mit den Bestrebungen Joseph II. (1780–1790) durchaus kompatibel, da diese infolge der Verbürgerlichung der Juden auch die Errichtung von jüdischen Schulen forderten. Es wurden mehrere Bildungseinrichtungen ins Leben gerufen und der weltliche Unterricht nahm seinen Anfang.2

Der in Pest3 geborene Herzl besuchte die 1814 gegründete Pesti Izraelita Főelemi Iskola [Pester Israelitische Hauptelementarschule] ab 1866, ihm wurde hier bereits Unterricht in ungarischer Sprache erteilt.4 In den 1860er Jahren galt diese Schule nicht als Hochburg der deutschen Erziehungsprinzipien, so wurden hier nicht Kinder erwartet, deren Eltern sich weniger zur ungarischen Kultur, zur jüdischen Kultur aber umso mehr hingezogen fühlten. Es war eher eine schulische Anstalt, die die Magyarisierungs-Bestrebungen stets vor Augen hatte.5 Falls die Eltern Herzls ihre Kinder von dem ungarischen Einfluss wirklich hätten schützen wollen, dann hätten sie sich ein Beispiel an jenen Eltern nehmen können, die ihre Kinder in eine katholische, evangelische oder die Schule der Schottischen Mission schickten.6 Obwohl als Unterrichtssprache die Ungarische galt und auch das Lehrmaterial ungarisch verfasst (bzw. aus dem Deutschen übersetzt) wurde, wurden die Zeugnissen in beiden Sprachen ausgestellt.

Herzl kam nach der Elementarstufe in die 1855 gegründete Oberrealschule (Pesti Városi Nyilvános Főreáltanoda). Im Gegensatz zum humanen Charakter der Gymnasien mit intensiver Bildung in Fremdsprachen und Literatur waren diese eher die Vorstufe für technische Studien und auch auf die naturwissenschaftlichen Fächer wurde großer Wert gelegt.7 Nach 1861 wurde auch in diesen Schulen Ungarisch zur offiziellen Unterrichtssprache, aber nicht jede Lehrkraft beherrschte die Sprache einwandfrei; viele Lehrer waren 1848er Veteranen, die vor ihren Schülern gelegentlich mit großem Enthusiasmus über Lajos Kossuth sprachen.8

In der Schule gründete Herzl mit seiner Schwester, seinem Cousin und einigen Freunden den anspruchsvollen und aktiven literarischen Verein Wir. Herzl war dessen Vorsitzender, er arbeitete das Reglement des Vereins aus, und zwar in der offiziellen Sprache der Zusammenkünfte, also auf Deutsch. In der Arbeit der Gruppe wurde jedoch die Zweisprachigkeit beibehalten, denn man wollte lediglich der übertriebenen Tendenz der Magyarisierung im Unterricht entgegenwirken. Im Kreis wurden sowohl ungarische als auch deutsche Werke – literarische Abhandlungen, Gedichte – vorgetragen. Die Arbeitsgruppe stand unter starkem Einfluss der deutsch(sprachig)en Literatur, vor allem zeigte sich die Wirkung von Nikolaus Lenau und Hölderlin. Herzl trug u. a. auch mehrere seiner Übersetzungen vor: Vom ungarischen Klassiker János Arany (1817–1882) dichtete er mehrere Verse auf Deutsch nach, in dem Essay Miklós Toldi [Nikolaus Toldi] gab er die Zusammenfassung des Arany’schen Epos wieder. Über einen anderen ungarischen Klassiker, Mihály Vörösmarty (1800–1855), schrieb er einen längeren Aufsatz auf Ungarisch, aber auch historische Persönlichkeiten wie Girolamo Savonarola oder Napoleon waren Gegenstand seiner Vorträge. In seinen ungarischen Werken bediente er sich ausschließlich ungarischer Themen und auch in seinen deutschen Abhandlungen griff er häufig auf ungarische Begebenheiten zurück. Die jüdische Thematik fehlte aber gänzlich. Nach Handler offenbarten sich in den ungarisch verfassten Werken wesentlich mehr die Persönlichkeit und der intellektuelle Charakter Herzls: Diese basieren auf Realität, Erfahrung und Impressionen, wobei die deutsch geschriebenen Werke eher von der Fantasie durchdrungen seien. „Seine ungarischen Werke wurden von einem ungarischen Jungen verfasst, dessen Erziehung und soziale Kontakte von dem überwiegenden Einfluss der ungarischen Umgebung durchwoben sind, wobei seine deutschen Werke von einem ungarischen Jungen stammen, der die deutsche Kultur aus der Ferne bewunderte.“9 Obwohl der Zirkel nur kurze Zeit bestand, war das ein wichtiges Bekenntnis Herzls in Richtung Literatur.

Wenngleich der Held seiner Jugend Ferdinand de Lesseps, der Konstrukteur des Suez-Kanals war, galt die Leidenschaft Herzls einem anderen Metier: der Literatur.10 Dementsprechend besuchte er seit dem zweiten Halbjahr des Schuljahres 1875/1876 drei Klassen (VI–VIII) im evangelischen Gymnasium in Pest (Pesti Ágostai Hitvallású Evangélikus Főgymnasium). Diese Schule galt als jüdische Schule par excellence.11 Herzl kam jetzt nach den in einem nicht jüdischen Milieu gesammelten Erfahrungen in ein Umfeld, dessen Normen sehr denen seines Elternhauses ähnelten und das als Prototyp einer besonders assimilierten, aber dennoch jüdischen Einrichtung galt.12

Die anfangs noch zufriedenstellenden Noten Herzls ließen bis Sommer 1877 immer mehr nach: Vermutlich schrieb er wieder sehr viel, aber bereits für ein breiteres Publikum. Nach biografischen Angaben soll er Beiträge in den zwei bedeutendsten deutschsprachigen Blättern der ungarischen Hauptstadt, im Pester Lloyd sowie im Pester Journal, veröffentlicht haben und auch dem Wiener Leben soll er Artikel über die parlamentarischen Ereignisse in Pest zukommen haben lassen.13 Da die Familie nach dem plötzlichen Tod der Tochter Pauline Anfang 1878 endgültig nach Wien zog, legte Herzl seine Matura als Privatschüler ab.

Es ist offensichtlich, dass Herzl bis dahin in ausgewogener Zweisprachigkeit lebte, die erst nach der Übersiedlung einen Bruch erlitt. Die Frage stellt sich deshalb nur hypothetisch: Wäre eine Änderung in Herzls Sprachgebrauch auch dann eingetreten, wenn es nicht zum Wohnortswechsel gekommen wäre? Es ist anzunehmen, dass Herzl in dem Fall mit der Frage konfrontiert gewesen wäre, ob er als Theodor Herzl zum deutschen oder als Herzl Tivadar zum ungarischen Schriftsteller hätte werden wollen. Es ist durchaus möglich, dass ihm, falls er in Pest geblieben wäre, seinem Cousin Jenő Heltai ähnlich, die Laufbahn eines ungarisch schreibenden Bühnenautors zuteilgeworden wäre.14 Heltai selbst erinnerte sich folgendermaßen an Herzl, dem Ungarisch genauso geläufig war wie Deutsch:

[…] falls die ungarische Literatur ihn in seinen Bann gezogen hätte, wäre er ein genauso guter Schriftsteller geworden. Noch mehr: Meines Erachtens vielleicht ein noch besserer, denn die Muttersprache Tivadars war doch die ungarische, und als ich ihm nach Jahren begegnete, war an seiner Sprache keinerlei Akzent zu erkennen. Er war auf dem Terrain der ungarischen Literatur bestens unterrichtet, konnte jede Menge ungarische Gedichte auswendig, und zwar nicht nur diese, die er in der Schule hat erlernen müssen, sondern viele Gedichte von János Arany, Petőfi und József Kiss.15

Die Herzl-Biografien sind sich aber durchaus nicht einig. Amos Elon beharrt auf dem Bild des „Pester deutschen Jungen“, das vor allem auf Herzls Selbstbiografie basiert.16 Israel Zangwill plädiert nicht für eine ungarische und österreichische Identität, sondern für eine mitteleuropäische jüdische, die ihn nicht an eine Region oder ein Land, sondern vielmehr an zwei Großstädte, an Budapest und Wien, band. Kornberg ist der Annahme, dass Herzl eine sehr enge Bindung zu Wien hatte und sich bereits während seiner Pester Periode als deutscher Schriftsteller behauptet habe, wobei die Stadt Pest – infolge der Verbreitung des Ungarischen – nicht mehr viel für einen deutsch schreibenden, ambitiösen Autor zu bieten hatte.17 Nach Beller hat die Hinwendung der Familie Herzl zur deutschen Kultur die Sympathie für den ungarischen Liberalismus nicht ausgeschlossen. Er betont, dass die jüdischen Familien die bewusste Zweisprachigkeit einerseits aus den deutsch-jüdischen Traditionen, andererseits aus der Sympathie für die liberalen Kräfte, die hauptsächlich ungarisch waren, schöpften.18 Handler vertritt Elon gegenüber ein ganz anderes Herzl-Bild: Herzl Tivadar sei in jeder Hinsicht genauso sehr ein ungarischer Junge in Budapest wie Theodor Herzl ein assimilierter Österreicher in Wien.19 Er geht noch weiter, indem er behauptet, Herzl habe Budapest nie richtig verlassen. Obwohl die Familie nach Wien zog, kam Herzl jedes Jahr nach Budapest, besuchte hier das Grab seiner Schwester und pflegte seine Beziehungen zu ungarischen Intellektuellen.20

Herzl studierte zwischen 1878 und 1883 an der Wiener Universität Jura. Was die Zugehörigkeit Herzls anbelangt, war seine Identität damals noch nicht ganz festgeschrieben. Seinen Universitätsdokumenten ist zu entnehmen, dass er im ersten Semester noch Deutsch als Muttersprache angibt, was nicht besonders verwunderlich ist. Umso mehr ist das aber die Tatsache, dass er im darauffolgenden Jahr auf „Ungarisch“ wechselte und erst im Sommersemester 1881 wieder „Deutsch“ eingetragen wird. Herzl wies sich also zwei akademische Jahre lang als Ungar aus.

Während seiner Studienzeit wurde Herzl Mitglied eines liberal gesinnten Studentenvereins namens Akademische Lesehalle. 1881 trat er in die studentische Vereinigung Albia ein. Danach trug er stolz die deutsche Identität und das damit verbundene soziale Prestige.21 Er nahm am Vereinsleben teil, das neben Fechten, Trinken, Kartenspielen, Singen auch mit scharfen Auseinandersetzungen zwischen liberal und national gesinnten Studenten einherging. Herzl bekam im Verein den Namen Tancred nach Tassos selbstbewusstem und kämpferischem Helden in seinem Epos Gerusalemme liberata. 1883 kam es zum sogenannten Richard-Wagner-Commers, an dessen Organisation sich auch Albia beteiligte. Diese Commersfeste bildeten einen Bestandteil der deutschen Vereinstraditionen, wobei der Antisemitismus nicht unbedingt charakteristisch für sie war. Beller plädiert allerdings gerade für das Gegenteil: Der Antisemitismus war im Verein vorhanden, aber Herzl war anfangs der Auffassung, dass dieser nicht gegen ihn, sondern eher gegen die „geldgierigen, ungebildeten“ Juden gerichtet gewesen sei, die nicht imstande waren, sich in die deutsche Kultur zu integrieren. Herzl deutete diese Verhaltensweise als kulturellen Antisemitismus, den er nicht ablehnte, da die Ideologie der Emanzipation den Juden die Bürde auflegte, sich zu „verbessern“ und sich der bürgerlichen Rechte würdig zu erweisen. Herzls Aufnahme in Albia zeigt, dass nicht jede deutsche Burschenschaft Juden deutlich zurückwies; er jedenfalls erwies sich als ein „akzeptabler“ Jude.22 Der Wagner-Commers wurde jedoch von antisemitischen Tönen überschattet, woraufhin Herzl den Verein verließ. Aus dem Brief, in dem er die Gründe seines Austritts darstellt, geht hervor, dass er sich auf allgemeine Menschenrechte und nicht auf eine jüdische Sensibilität bezog. Als gleichgestellter jüdischer Staatsbürger und nicht als Jude sprach er sich gegen den Antisemitismus aus, eine kollektive Beleidigung empfand er nicht. Dem kollektiven Schicksal der Juden hat Herzl in diesen Jahren noch keinerlei Interesse entgegengebracht. Sein Hauptbestreben richtete sich danach, als österreichisch-deutscher Schriftsteller und Bühnenautor Fuß zu fassen.

Das Paradigma der deutschen Kultur, die Zugehörigkeit, galt als ein positives Modell, da diese die jüdische Assimilation, die mit Geschäften, Korruption und Spekulation verbunden war, gut ausbalancierte, besonders nach dem Börsenkrach von 1873. Der antisemitische Diskurs machte die Juden dafür verantwortlich.23 Für den jungen, zweisprachig aufgewachsenen Herzl bedeutete die deutsche Kultur die Zugehörigkeit zu einer Welt, in der das Primat von geistigen im Gegensatz zu materiellen Gütern voll und ganz dominierte, und er selbst wollte sich mit diesen identifizieren. Es boten sich zwei Wege der Zugehörigkeit an: als erfolgreicher Bühnenautor des Wiener Burgtheaters und/oder als fest angestellter Journalist der Neuen Freien Presse.

Das Burgtheater galt zu Herzls Zeiten als Symbol des literarischen Erfolgs und der sozialen Anerkennung sowie als kulturelle Hochburg des deutschsprachigen Wiener Bürgertums. „Da komm’ ich einmal hinein“, erinnerte sich Arthur Schnitzler an eine gesprächsweise Bemerkung Herzls im Zusammenhang mit dem sich noch im Bau befindlichen Theater.24 Die Worte des 23-jährigen Herzl lassen sich als die programmartige Deklaration seines Karrierewunsches bzw. als wichtigen Moment seiner Identitätskonzeption deuten. Betrachtet man Herzls Herkunft, so eröffnete sich ihm durch eine Karriere als Bühnenautor weitaus mehr. Aus diesem Blickwinkel versteht sich die Etablierung in einer so wichtigen Institution der bürgerlichen Kultur einerseits als sozialer Aufstieg, als Bühnenerfolg, andererseits als die unwiderrufbare Tatsache, dass er endgültig „dazugehörte“, dass er Teil der „deutschen“ Kultur ist. Dabei konnte er sich auf die deutsche Sprache stützen, die ihm im vollen Umfang vertraut war. Die tiefe Verankerung in der Sprache lässt sich als ein Zeichen der äußeren Zugehörigkeit deuten, die durch seine Stücke demonstriert werden konnte. Gelangten diese Dramen in der wichtigsten Institution der deutschen Kultur zur Aufführung, verstünde sich der Autor auch als Repräsentant dieser Kultur, also könnte er den ihm infolge seiner Abstammung anhaftenden „Fleck“ endgültig loswerden.25

Fünf Stücke Herzls standen – wenn auch nur für kurze Zeit – auf dem Spielplan des Burgtheaters, sechs wurden jedoch zurückgewiesen. Am 19. März 1889 war die Premiere der mit Hugo Wittmann zusammen verfassten Wilddiebe. Dieses Drama gilt als das erfolgreichste Stück Herzls: 57-mal stand es am Programm des Burgtheaters, in den kommenden Jahren gelangte es in etwa 50 Städten zur Aufführung. Ein derartiger Erfolg wurde ihm später nie mehr zuteil.26

Die vor seinen Pariser Jahren verfassten Briefe zeugen von einem ständigen Drang sich zu beweisen und vom Wunsch nach Anerkennung, sogar von einem Stress nach Anerkennung: Herzl wünschte sich nicht nur einen schnellen, sondern auch dauerhaften Erfolg.27 Obwohl ihm der Letztere als Bühnenautor nicht zuteilwurde, galt er als Pariser Korrespondent der Neuen Freien Presse und als deren Feuilletonist als Liebling der Wiener Presselandschaft. Eigentlich hätte er zufrieden sein können.

Ausbruchsversuche: Wien und Budapest

Herzl erlangte im Mai 1884 den Doktortitel in Jura, aber als Jude sah er lediglich begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten im österreichischen Beamtenwesen. Als Advokat hätte er arbeiten können, aber das entsprach nicht seinen Vorstellungen und Ambitionen. Im August 1885 fasste er den Entschluss, seinen literarischen und journalistischen Neigungen freien Lauf zu lassen und sich als freischaffender Schriftsteller zu etablieren.

Aufgrund von Herzls Briefwechsel ist anzunehmen, dass er bereits während seiner Schuljahre in Budapest im Mai 1877 Kontakte zu einem Redakteur eines deutschsprachigen Organs in Ungarn pflegte. Allerdings lässt sich nicht feststellen, ob es sich dabei um Max Falk, der seit 1867 den Pester Lloyd redigierte, oder um das 1872 gegründete Neues Pester Journal handelt. Bei den Untersuchungen des Pester Lloyd konnte ich nur einen einzigen Beitrag Herzls mit dem Titel Utilité erfassen.28 Allerdings wurden im Neuen Pester Journal mehrere Artikel von ihm veröffentlicht. Seine Südeuropareise fasste er 1887 in einigen Reiseberichten zusammen.29 Obwohl er sich wegen des Honorars nie beklagte,30 hegte er den Wunsch, anstelle der Publikationsmöglichkeit im Pester Organ in der Wiener Allgemeinen Zeitung Beiträge zu veröffentlichen.31 Nach anderthalb Jahren beklagte er sich bei seinen Eltern, dass das ungarische Organ ihn unwürdig behandle: Obwohl der Feuilletonredakteur zwei Manuskripte zur Veröffentlichung annahm, befand er sie als zu kurz und beanstandete auch den Ton der Artikel. Herzl ließ die Kommentare der Ablehnung unbeantwortet, nicht zuletzt deshalb, weil er die Hoffnung hegte, den Chefredakteur Sigismund Bródy in Ostende oder in der Wiener Concordia zu treffen. Er feilte sehr an seiner Taktik: „Er wird mich um Entschuldigung bitten, und bei der Gelegenheit werde ich das Honorar auf den Beitrag der N[euen] F[reien] P[resse] erhöhen.“32 Die Priorisierung der deutschsprachigen Blätter bzw. das „Hinhalten“ des ungarischen Organs war eine bewusste Entscheidung Herzls: Im September 1891 brachte er ungeniert zu Papier, dass er eines seiner Feuilletons für das Journal für zu gut halte, so „[w]erde ich, wenn es mir morgen beim Fertigwerden noch gefällt, dieses No 4 an Mamroth33 senden. Scheint es mir morgen nicht gut, gebe ich’s Bródy.“34

Mit der bereits erwähnen Wiener Allgemeinen Zeitung war er 1882 aufgrund einer Feuilletonausschreibung in Berührung gekommen. Der Erfolg blieb allerdings aus. Prompt erwog er das Manuskript dem Pester Lloyd zukommen zu lassen, um seiner „schönen Cousine“ zu imponieren, wie er seinem Jugendfreund Heinrich Kana schrieb.35 Er holte dessen Rat auch bei Artikeln ein, die positive Beurteilung erfuhren und veröffentlicht wurden.36 Sein Feuilleton Die Brunner auf Hagenau nahm allerdings einen eigenartigen Weg: Im Frühjahr 1900 wurde es in der Neuen Freien Presse mit dem Titel Die Heimkehr veröffentlicht, allerdings unter dem Namen H. Jungmann.37 Außer den Erwähnungen im Briefwechsel schrieb Herzl am 22. Februar 1882 auch in seinen autobiografischen Schriften darüber, wie niederschmetternd es für ihn gewesen war, bei der Feuilletonausschreibung leer ausgegangen zu sein.

Drei Monate lang habe ich davon geträumt. Einen Monat habe ich gearbeitet, und wie! […] Klares Ergebnis der Feuilletonpreisausschreibung der Wr. allg. Ztg. für mich: ich kann nicht schreiben, ich kann nichts zustande bringen, ich bin – nein kein Dummkopf, aber ein mittelmässiger Dutzendkerl, der vor lauter Faulheit und Untauglichkeit zu einem ernsteren geistigen Arbeiten sich für einen Schriftsteller hält.38

Trotz des Fiaskos blieb er in Kontakt mit dem Organ: Wenn auch nur für eine kurze Zeit, gehörte er nach seiner Italienreise, also nach dem 15. April 1887, der Redaktion an.39 Als Feuilletonautor und als Leiter des Theaterressorts war er drei Monate lang für das Blatt tätig. Da er sich weder finanziell noch moralisch geschätzt fühlte, freute er sich über die Trennung. Als Hauptgrund der Kündigung wurde ihm vorgeworfen, dem Zeitungseigentümer, Ignaz von Kolisch,40 nicht genug Achtung entgegengebracht zu haben. Herzl erklärte das mit dessen dubiosen finanziellen Transaktionen und damit, dass er nach solchen Machenschaften nun die Öffentlichkeit informieren wolle.41

Nach einem Besitzerwechsel befand sich Herzl im Februar 1889 erneut im Dienste des Blattes. In einem Brief an den neuen Eigentümer, Wilhelm Fischer, verfasste Herzl einen Vertragsentwurf, in dem er den Arbeitsbeginn auf den 1. März legte. Weiters beschrieb er seine Aufgaben, die sich wie schon zuvor auf Premieren des Burgtheaters sowie auf die Redaktion des Feuilletonressorts erstreckten. Er erklärte sich bereit, notfalls auch andere Artikel beizusteuern, aber über Politik sei er nur zu schreiben bereit, wenn das Blatt seine bisher gewohnte liberale Richtung beibehielte. Den Vertrag gedachte er für zwei Jahre mit festem Honorar zu unterzeichnen. Sollte es zu einem Besitzerwechsel kommen, müsse Fischer seine feste Anstellung bis Ende Februar 1891 garantieren.42 Soweit kam es allerdings nicht, denn wie einem Brief an Marie Herzfeld zu entnehmen ist, trennte sich Herzl noch 1889 wieder vom Blatt.43

In den 1880er Jahren veröffentlichte Herzl einige Beiträge in der Wiener Neuen Illustrirten Zeitung.44 Die Geschichte dieses Blattes ist zum Teil mit der ungarischen Pressegeschichte verknüpft. Ein Beiblatt des Pester Lloyd, die 1871 ins Leben gerufene Ungarische Illustrirte Zeitung,45 wurde bereits Ende 1872 wieder eingestellt. Der Verlag Gebrüder Deutsch kündigte an, als Beiblatt des Pester Lloyd die Neue Illustrirte Zeitung in Wien herauszugeben.46 Aus Herzls Sicht sind die Mitte der 1880er Jahre eingetretenen Veränderungen relevant. Als markante Namen aus der Geschichte des Blattes soll vor allem Karl Emil Franzos hervorgehoben werden, der das Blatt zwischen 1884 und September 1886 herausgab und redigierte.47 Ihm folgte Balduin Groller.48

Herzl schrieb Ende Juni 1885 an seine Eltern, dass die Neue Illustrirte Zeitung zustimme, einen seiner Beiträge in Fortsetzungen zu veröffentlichen. Seine Freude war groß, denn das Blatt hatte den Ruf, gutes Salär zu zahlen.49 Konkret erschienen die Novelle Ein Zugstück sowie sein Lustspiel Der Flüchtling, allerdings erst 1887.50 Im selben Jahr pries das Blatt seine Feuilletonsammlung Neues von der Venus.

Ein prächtiges, unterhaltendes Buch, das man schwerlich aus der Hand legen wird, ohne es bis zu Ende gelesen zu haben. Es sind überaus geistreiche Plaudereien und Geschichten, in jenem leichten, anmuthigen Genre, für welches die Franzosen mit ihrer „Causerie“ das Vorbild gegeben haben. Wer noch immer glaubt, daß die deutsche Sprache für dieselbe nicht geeignet sei, der lese dieses Büchlein; man muß sie eben nur so meisterhaft beherrschen können wie unser Autor. Uebrigens liegt die Stärke Herzl’s ohne allen Zweifel im Dramatischen. Wer plastisch zu lesen versteht, merkt das auch in denjenigen Beiträgen, welche keine eigentliche Vertheilung der Rollen aufweisen. So begabt, thäte der Verfasser gut daran, für die Bühne überhaupt sein dereinstiges Wirken zu bestimmen. Der Erfolg dürfte schwerlich auf sich warten lassen.51

Der Rezensent irrte sich in dieser Hinsicht, denn der Erfolg wurde Herzl nur mäßig und provisorisch zuteil: Wie schon erwähnt, hatte er im Wiener Burgtheater, aber auch im Berliner Hoftheater mehrmals Zurückweisungen erfahren. Als einen gewissen Durchbruch kann man 1885 den Erfolg seines Stückes Tabarin in New York sehen, der ihm einige Türen öffnete; u. a. erreichte ihn ein Angebot des Wiener Tageblattes, das wiederum bei Herzl auf Ablehnung stieß, da er zunächst nur auf Probezeit aufgenommen worden wäre.52

Es ist definitiv anzunehmen, dass Herzl 1885 für das 1869 in Wien gegründete satirische Organ Der Floh tätig war. Da es sich um unsignierte Beiträge handelt, kann die Quantität der Veröffentlichungen nicht genau ermessen werden.53 Er war auch in der Wiener Deutschen Zeitung sowie in der Deutschen Wochenschrift präsent.54

Deutschland

Herzl bereiste zwischen Juli und Oktober 1886 Frankreich und noch im selben Jahr lernte er Arthur Levysohn (1841–1908), den Chefredakteur des Berliner Tageblattes,55 kennen, der ihn zur Veröffentlichung von Plauderfeuilletons anregte.

Diese Bekanntschaft kam gerade zur rechten Zeit, denn während seines Berliner Aufenthalts einige Monate zuvor hatte er an seine Eltern geschrieben, dass er, als er mit seinen Theaterangelegenheiten beschäftigt gewesen war, mit wichtigen Theaterleuten in Berührung gekommen sei. Allerdings schrieb er über seine journalistischen Kontakte: „Mit den Journalisten bin ich noch nicht so weit, um mit meinen Zeitungsabsichten herauszurücken. Refüs darf ich mir heute nicht mehr geben lassen. Ich würde das Errungene gefährden. Ich habe mir nämlich eine gewisse Bekanntheit schon erworben, die unter allen Umständen sehr werthvoll ist.“56

Ab Mitte Oktober 1886 (vier Monate lang)57 und im Herbst 1887 schrieb Herzl für die Montagsausgabe des Blattes – diese erschien als Deutsches Montagsblatt58 – jede Woche oder jede zweite Woche Feuilletons mit dem Titel Reise um die Welt.59 Die Themen waren vielfältig (Gesellschaft, Politik, Theater, Literatur), aber in keinem seiner Artikel war er bemüht, die Geschehnisse und ihre Zusammenhänge zu verstehen. Seine Veröffentlichungen stießen auch auf keinen besonderen Widerhall, was Herzl nicht besonders bedrückte, da er die Aufgaben hauptsächlich wegen des Honorars annahm.60 Im Visier hatte er nach wie vor die Neue Freie Presse, aber bis dorthin wollte er sich noch „besonders sammeln“. Sollte die Venus im Wiener Blatt auf gute Resonanz stoßen, so wäre der Weg zum Erfolg geebnet, meinte er.61 Die Publikationsmöglichkeiten beim Tageblatt schätzte er auch hoch ein, denn diese sicherte ihm seine Deutschlandpräsenz, in Wien blieb er jedoch vorerst bei der Wiener Allgemeinen Zeitung.62

Auf dem Terrain der Belletristik konnte er allerdings nicht einmal annähernd Vergleichbares aufweisen, weshalb er unter einer permanenten Spannung lebte und sogar unter Depressionen litt. Angesichts seines Zustands rieten ihm seine Eltern zu einer Reise durch Südeuropa. Im Februar 1887 reiste er via Venedig und Pisa nach Rom, danach folgten Neapel, Capri und Amalfi, zuletzt reiste er durch Norditalien nach Hause. Obwohl Herzls Briefe an seine Eltern kurz ausfallen, stammen sie von einem entspannten und ausgeruhten, einem enthusiastischen, mit neuen Erlebnissen bereicherten Mann. Kaum einen Monat später berichtete er ihnen über ein Gespräch mit Sudermann: „Sudermann, den ich in Amalfi traf, hat mir die Augen geöffnet. Von allem Schreiben ist das das mühevollste und undankbarste. Das Berliner Tag[e]bl[att] zahlt für eine Roman f o r t s e t z u n g dreimal soviel; wie für eine »Reise«.“63 Er befasst sich mit dem Gedanken, nun auch Themen anzunehmen, die er schon seit längerer Zeit mit sich trug, die jedoch „aus Furcht vor der Aussichtslosigkeit“ bisher auf der Strecke geblieben seien. Diese sah er nun als einen besseren und sichereren Weg als das Theater.64 Seine Reise-Feuilletons erschienen erneut ab Mitte Oktober 1887.65

Im August 1887 traf Herzl in Landeck (Tirol) Levysohn, der ihm riet, obwohl die Lage noch nicht ganz sicher sei, die Pariser Korrespondentenstelle der Frankfurter Zeitung ins Visier zu nehmen.66 Seinen Eltern gab er mehrere Gründe, die dafür sprächen, an. Einerseits käme es auch in Wien gut an, wenn es sich zeigte, dass ein deutsches Blatt ein Auge auf ihn geworfen habe. Die Kontaktaufnahme könnte auch einen Nebenjob mit sich bringen, u. a. als Leiter des Wiener Korrespondenzbüros des Blattes. Nicht zuletzt betrachtete Herzl das Organ als ein Weltblatt und es sei „auf alle Fälle gut, ein Weltblatt mehr in dem Kreis der Beziehungen zu haben“.67 Weiters gab er an, die Zeitung könnte ihm ständiges Einkommen sichern und als Nebeneinkunft hätte er mit Publikationsmöglichkeiten anderer Organe rechnen können; darunter verstand Herzl das Neue Wiener Tagblatt sowie das Fremdenblatt.68 Pro Jahr sei dadurch mit einem Einkommen zu rechnen, wofür es sich schon lohnen würde, nach Paris zu gehen. Das betrachtete er allerdings noch „für sehr weit entfernt“.69 Er verstand den eventuellen Frankfurter Kontakt als eine zusätzliche Publikationsmöglichkeit. Herzl war noch für die Berliner Illustrirte Frauenzeitung tätig – davon zeugt ein Brief, der infolge eines finanziellen Streits verfasst wurde –,70 darüber hinaus veröffentlichte er auch in den Hamburger Lustigen Blättern.71

1888 erschien Herzls zweiter Band, Buch der Narrheit, in dem Beiträge seiner Normandie-und Italienreise überwiegen und in dem er auf menschliche Schwächen fokussiert. Das Buch widmete er Arthur Levysohn. Ähnlich wie beim Band Venus erhielt auch die neue Novellensammlung zwar wieder anerkennende Kritik, hatte aber sogar noch weniger Erfolg bei der Leserschaft als das erste Buch: Im Vergleich zu 700 verkauften Exemplaren der Venus wurden nur 300 Stück von Herzls Buch der Narrheit verkauft.

Die Beiträge des Buchs stellen einen Übergang vom bürgerlich-realistischen Feuilleton in Richtung impressionistische Prosa dar. Herzl kannte die Schriften des Ferdinand Kürnberger, Ludwig Speidel72 sowie Heinrich Heine, später eignete er sich Sprache und Stil der Moderne an. Seine Feuilletons greifen in der Makrostruktur auf das Stilideal des bürgerlichen Realismus zurück, die Texte drehen sich also um ein Thema und die epischen Elemente stellen infolge der Funktionalität zueinander und zum Thema einen kohärenten Text dar. Die Mikrostruktur zeigt jedoch die Auflösung des stabilen Systems: In den realistischen Text werden impressionistische Stilelemente gewoben, die Narration wird durch lyrische Einlagen gebrochen, stellenweise wird auch der Satzbau fragmentarisch, oft verschwimmen politische Analyse und Stimmungsbeschreibung, dadurch kommt die Literaturstrategie der Wiener Moderne zum Vorschein (die bei Peter Altenberg ihren Höhepunkt erreicht).73

Jene Feuilletons, denen diese Erlebnisse zugrunde liegen, bildeten den Anfang von Herzls Wiener literarischer Karriere und sorgten auch außerhalb der Monarchie für Furore. Otto Eysler, der Herausgeber der Lustigen Blätter, ermunterte Herzl nach Berlin umzusiedeln und die Redaktion der jüngst gegründeten Die Bühnenwelt zu übernehmen, deren weitere Realisierung allerdings scheiterte. Auch ein weiterer Plan scheiterte, wonach Oskar Blumenthal die Leitung des Theaterressorts des Berliner Tageblattes an Herzl übergeben hätte. Immerhin kam es in Berlin zur Aufführung des Stückes Seine Hoheit. Die Premiere am 18. März 1888 war ein Erfolg sowohl seitens des Publikums als auch bei der Kritik.

In Deutschland veröffentlichte auch die Münchner Allgemeine Zeitung74 Beiträge von Herzl. Er schrieb an den Chefredakteur, Dr. Hugo Jacobi, dass er gern dessen Wunsch nachkomme und für das Blatt Feuilletons beisteuere.75 Am liebsten würde er über das Wiener Theaterleben berichten, allerdings nicht allzu häufig, jede 2. bis 3. Woche. Vom Stil gedenke er keine schablonenhaften Texte zu verfassen, sondern er hätte die neuen Franzosen vor Augen, u. a. den von Nestor Roqueplan, Alphonse Karr, Francisque Sarcey und Albert Wolff etablierten Stil, also die Plauderei, wenn dabei die Theaterfeuilletons nicht zu kurz kämen. Im Brief vom 1. Oktober 1891 an seine Eltern schrieb er schon stolz: „Heute stehen mir ja alle grössten Blätter Deutschlands offen.“76 Die unerwartete Aufgabe kam für ihn allerdings erst danach.

Vor dem Ziel: Paris

Herzls journalistisches Ziel war eindeutig, im Feuilletonressort der Neuen Freien Presse präsent zu sein. Über die Artikel für das Blatt holte er bereits 1882 die Meinung von Heinrich Kana ein.77 Mit seinen Manuskripten meldete er sich immer wieder in der Redaktion, allerdings wurden ihm ständig Ablehnungen zuteil. Nach der Veröffentlichung des ersten Bandes erhoffte er eine günstige Buchrezension und die Annahme eines Feuilletons,78 aber beides blieb aus. Im Oktober 1887, nach dem Erscheinen eines Feuilletons im Fremdenblatt, erreichte ihn die Nachricht, dass Eduard Bacher von der Neuen Freien Presse sich günstig über seine Schrift Der Neue Pygmalion geäußert habe. Herzl fühlte sich dadurch sehr ermutigt und unterrichtete Bacher in einem Brief über seine Pläne, genau wie er das zwei Jahre zuvor mit Moriz Benedikt getan hatte.79 Letzterer hatte ihn damals gebeten, erst noch mehr journalistische Erfahrung zu sammeln. Herzl war stets bemüht, diesem Wunsch nachzukommen, obschon er ja bereits in den bedeutendsten Wiener Blättern präsent war: Seine Feuilletons erschienen in der Presse (1886), im Neuen Wiener Tageblatt (1885), im Fremdenblatt (1887) und am häufigsten in der Wiener Allgemeinen Zeitung (1887). Beim letztgenannten Organ war er auch in der Feuilletonsparte präsent, leitete das Theaterressort und veröffentlichte zeitweise Reportagen. Nachdem er diese Referenzen hatte aufweisen können, ergänzt mit seiner Tätigkeit beim Berliner Tageblatt – für das neben Blumenthal und Paul Lindau eben auch Herzl als Theaterreferent in Frage kam –,80 meldete er sich im Herbst 1887 erneut bei diesem prestigeträchtigsten Wiener Organ. Doch Bachers Antwort fiel erneut ungünstig aus: Da es keine vakante Stelle gäbe, könne er Herzl keine ständige Anstellung verschaffen. Zu einem persönlichen Gespräch kam es nicht. Im Januar 1888 wandte sich Herzl erneut mit derselben Angelegenheit an Bacher: Er lancierte die Möglichkeit einer Praktikantenstelle beim Blatt.81

Aber was „bedeutete“ die Neue Freie Presse in Wien? Worauf basierte ihr Prestige? In Österreich gab es mehrere Öffentlichkeiten, u. a. eine katholisch-konservative, eine christlich-soziale, eine sozialistische und eine antisemitische. In den Augen vieler galten Zeitungen als wahre Stützen der öffentlichen Meinungsbildung und unter denen war auch die Neue Freie Presse. Ihr Herausgeber, Moriz Benedikt, galt als einer der einflussreichsten Männer Österreichs. Das Organ stand für Assimilation und für liberale Offenheit, es verstand sich als ein Grundpfeiler der deutschen Kultur – ohne Judenhass. Wer im Blatt zur Publikationsmöglichkeit gelangte oder über den geschrieben wurde, wobei Rassen- und Religions- sowie ethnische Zugehörigkeit, Abstammung ohne Belang waren, konnte mit entsprechender Anerkennung rechnen.82

Wenn auch nicht ständig, kam aber seit 1888 Herzls Name doch wiederholt in der Neuen Freien Presse vor, vor allem wegen seiner Reiseberichte aus Brüssel und England. Im August 1888 berichtete er seinen Eltern, wenn vier-fünf seiner Feuilletons im Blatt erschienen, „so würde sich meine Reise vollkommen ausgezahlt haben – die Mühe sowohl wie das Geld“.83 Gleichzeitig hätte er sich sehr gefreut, wenn es zwischen ihm und dem Blatt zu einem ständigen Arbeitskontakt gekommen wäre, wie dieser mittlerweile mit dem Berliner Tageblatt bestand. „Die Sicherheit, das Selbstvertrauen, das mir noch fehlt, wird sich nach dem ersten halben Dutzend erschienener Feuilletons schon einstellen. Das wäre dasjenige, was ich wünsche. Der eigentliche Zweck dieser Reise wäre dann erreicht.“84 Der Neuen Freien Presse sandte er immer häufiger seine Feuilletons zu, wobei die unveröffentlichten an das Berliner Tageblatt, die Frankfurter Zeitung oder die Münchner Allgemeinen Zeitung weitergereicht wurden.

Herzl erlebt diese sturmreichen Jahre bereits als Familienvater. Sein Privatleben scheint aber im Sommer 1891 zu kollidieren. Da er sich ernsthaft mit dem Gedanken der Scheidung trägt, reist er für zwei Monate nach Südfrankreich. Er denkt über sein Leben nach, beobachtet, arbeitet, lernt Spanisch und überlegt, seine Reise in Richtung Nordafrika fortzusetzen. Seine Reiseerlebnisse finden ihren Niederschlag in Feuilletons, die mittlerweile auch in der Neuen Freien Presse zur Veröffentlichung gelangten. Diese Feuilletons zeugen eindeutig von Herzls innerer Entwicklung: Als Mensch wird er immer seriöser, tiefer und „wahrer“, seine Beobachtungen werden immer objektiver, die gesichtete Not, menschliches Leiden (u. a. in Lourdes) bewegen ihn tief. Seine Beiträge sorgen in Wien für Furore, in der Redaktion der Neuen Freien Presse ebenso wie in literarischen Kreisen.

Schließlich kommt im Oktober 1891 das unerwartete Angebot aus der Kaiserstadt: Herzl wird die Pariser Korrespondentenstelle der Neuen Freie Presse angeboten, die er ohne Zögern annimmt. Er bricht die Südeuropareise ab und reist auf direktem Weg in die französische Hauptstadt.85 Zufrieden schreibt er im Oktober 1891 an die Eltern: „Ich kann zeigen, was ich kann. Ich sehe eine Zukunft, die ich erarbeiten kann, vor mir […].„86

Herzl bleibt bis zum Juli 1895 Pariser Korrespondent für die Neue Freie Presse, danach leitete er ihr Feuilleton. Seine journalistischen Zielsetzungen scheinen sich damit erfüllt zu haben. Doch für Paris sprachen neben seinen konkreten journalistischen Aufgaben auch andere Argumente. Herzl hatte bereits Jahre davor seiner Paris-Bewunderung Ausdruck verliehen, u. a. wegen der hier möglichen Anonymität, wegen der kosmopolitischen Ausrichtung und religiösen Neutralität dieser Metropole. Nicht zuletzt waren hier auch Heine, Lindau, Wittmann, Singer, Blowitz als Korrespondenten tätig87 und auch Arthur Levysohn hatte seine Karriere als Korrespondent der Kölnischen Zeitung in Paris begonnen.

Ausblick

Seine Pariser Jahre prägten Theodor Herzls Laufbahn, Denkweise und Identität stark. Er wurde Zeuge des Panama-Skandals, der Dreyfus-Affäre, anarchistischer Attacken und der Arbeiterbewegungen. Infolge der französischen Erlebnisse musste er grundlegend über seine politischen und sozialen Ansichten, seine Einstellung als „deutscher Dichter“ und über seine Rolle und Verantwortung als Journalist nachdenken. Die Judenfrage, darunter besonders die Ansichten der Assimilanten, der Kulturzionisten, der Antisemiten, gaben ihm reichlich zu denken. Als Journalist sah er sich gezwungen, sich mit der Rolle des Feuilletons versus des Leitartikels bzw. der eigenen Identitätskrise als „deutscher Journalist“ auseinanderzusetzen. Herzl war nun ein arrivierter Journalist, doch nahm in seinem Leben in Paris ein unerwartetes Kapitel seinen Anfang: die Hinwendung zum Zionismus.

1

Alex Bein – Hermann Greive – Moshe Schaerf – Julius H. Schoeps (Hg.): Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher. Erster Band: Theodor Herzl. Briefe und autobiographische Notizen 1866–1895. Bearbeitet von Johannes Wachten in Zusammenarbeit mit Chaya Harel, Daisy Tycho, Manfred Winkler. Wien, Propyläen Verlag, 1983, 620.

2

László Felkai: A magyarországi zsidó iskolázás főbb vonásai világivá alakulásáig [Die Hauptmerkmale des jüdischen Unterrichtswesens in Ungarn bis zu seiner Säkularisierung]. In: Hetven év. Emlékkönyv dr. Schweitzer József születésnapjára [70 Jahre. Festschrift für Dr. József Schweitzer]. Hrsg. v. György Landeszmann – Róbert Deutsch. Budapest, BZSH, 1992, S. 75–79.

3

Budapest existiert erst seit 1873, als die drei Stadtteile Pest, Buda (dt. Ofen) und Óbuda (Altofen) zusammengeschlossen wurden.

4

Mit dem Lehrprogramm der jüdischen Schulen befasste sich ein Rabbinerkolloquium im Jahre 1851. Lipót (Leopold) Löw befürwortete die Modernisierung der Heder und Jeschiwas. Als Grundpfeiler des ungarischen jüdischen Unterrichtswesens nannte er die humane, religiös jüdische und ungarisch nationale Erziehung. Die Konservativen sprachen sich aber gegen das Vordringen der weltlichen Unterrichtsfächer aus. Siehe u. a. László Felkai: A zsidó iskolák tantervi változásainak sajátosságai [Die Merkmale des Lehrplans der jüdischen Schulen]. In: A zsidó iskolaügy története Magyarországon [Die Geschichte des jüdischen Schulwesens in Ungarn]. Hrsg v. László Balogh. Budapest, 1996 (= Neveléstörténeti Füzetek 14.), S. 39–48.

5

Handler führt diese Sympathie gegenüber dem Ungartum auf die Izrealita Magyar Egylet [Israelitischer Ungarischer Verein] zurück. Infolge eines Reichsdekrets erhielten sie eine erhebliche Summe zurück, die von den Juden als Bußgeld für ihre begeisterte und aktive Befürwortung der 1848er Revolution bezahlen hatten müssen. Als einzige Bedingung wurde die Errichtung eines unter konfessioneller Aufsicht stehenden Schulsystems genannt. Die jüdischen Schulen überboten jedoch den Geist dieser Anordnung: Bei den ungarischen Nationalbestrebungen waren sie den christlichen ungarischen Schulen weit voraus, ihre Lehrkräfte wurden zu fanatischen Agitatoren des nationalen Bewusstseins und versuchten mit allen Mitteln den deutschen Einfluss zu bekämpfen. Andrew Handler: Dori. The Life and Times of Theodor Herzl in Budapest (1860–1878). Alabama, The University of Alabama Press, 1983, S. 44.

6

Ebda., S. 43 f.

7

Béla Pukánszky – András Németh: Neveléstörténet [Erziehungsgeschichte]. Budapest, Nemzeti Tankönyvkiadó, 19986, S. 411–414. Um 1870 erhöhte sich die Zahl der Juden auch in den technischen Berufen. Vgl. Handler: Dori, S. 49.

8

Handler: Dori, S. 51.

9

Ebda., S. 71.

10

Vgl. Steven Beller: Herzl. Wien, Werner Eichbauer Verlag, 1996, S. 18 f.

11

Den evangelischen Schulnachrichten A Pesti Ág. Hitv. Evang. Főgymnasium értesítője (Signatur: Ért. 380/1865-77) zufolge besuchten im Jahre 1875/1876 355 Schüler die Anstalt, wobei unter diesen 231 der mosaischen und lediglich 92 der evangelischen Konfession angehörten.

12

Beller: Herzl, S. 19.

13

Trotz gründlichen Studiums der einschlägigen Jahrgänge der Organe kann das meinerseits nicht bestätigt werden, da weder der volle Name noch irgendeine Signatur gefunden werden konnte. Aber auch in den Erinnerungen des elf Jahre jüngeren Cousins von Herzl, Jenő Heltai, wird darauf hingewiesen, dass Herzl sowohl für den Lloyd als auch für das Journal schrieb. Vgl. Andor Zsoldos: Theodor Herzl. Emlékezések [Erinnerungen]. New York, World Federation of Hungarian Jews, 1981, S. 14.

14

Handler: Dori, S. 83.

15

Zsoldos: Theodor Herzl, S. 21 f.

16

Amos Elon: Herzl. New York, Holt, Rinehart and Winston, 1975. Handler widerspricht dem insofern, als Herzl seine Erinnerungen im „zionistenkonformen“ Geist verfasst habe.

17

Kornberg, Jacques: Theodor Herzl. From Assimilation to Zionism. Bloomington, Indianapolis, Indiana University Press, 1993, S. 13.

18

Beller: Herzl, S. 19.

19

Handler: Dori, S. 25.

20

Ebda., S. 3 f.

21

Beller: Herzl, S. 20.

22

Ebda., S. 21.

23

Hildegard Kernmayer: Judentum im Wiener Feuilleton (1848–1903). Exemplarische Untersuchungen zum literarästhetischen und politischen Diskurs der Moderne. Tübingen, Max Niemeyer Verlag, 1998 (Conditio Judaica 24), S. 210.

24

Siehe Arthur Schnitzler: Briefe an Theodor Herzl v. 5. 8. 1892. In: Therese Nickl – Heinrich Schnitzler (Hg.): Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Frankfurt am Main, 1981, S. 125. Das 1888 eröffnete Wiener Burgtheater gilt neben der Comédie-Française als das zweitälteste Prosatheater Europas und als das größte im deutschen Sprachraum.

25

Kernmayer: Judentum im Wiener Feuilleton, S. 208 f.

26

Sein Stück Des Teufels Weib ging im Theater an der Wien 60-mal über die Bühne. Insgesamt verfasste er zwischen 1880 und 1904 19 Bühnenstücke, allerdings blieb der durchschlagende Erfolg aus.

27

Wegen der Erfolglosigkeit bzw. des Mangels an Anerkennung wurde er permanent mit Existenzproblemen konfrontiert. Sogar als erwachsener Mann erhielt er noch von seinen Eltern kontinuierlich finanzielle Unterstützung, wofür er durchaus dankbar war. Siehe z. B. den Brief am 3. August 1888 an die Eltern. Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 297 ff.

28

Dr. Theodor Herzl: Utilité. Pester Lloyd Nr. 338 v. 7. Dezember 1888, Beilage.

29

Theodor Herzl: Toscanische Wanderung. Neues Pester Journal (in der Folge NPJ) Nr. 60 v. 2. März 1887, S. 1 f.; Der König von Rom. NPJ Nr. 64 v. 6. März 1887, S. 3 ff; Sonne und Schatten. NPJ Nr. 69 v. 11. März 1887, S. 1 f.

30

An die Eltern, 4. März 1887. Siehe Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 248 ff. Es gab aber auch heftigere Ausschreitungen, z. B. wurde das Blatt als „Lumpenbande“ beschimpft; ebda., S. 251.

31

An die Eltern, 22. 3. 1887, ebda., S. 259. Das liberale Tageblatt Wiener Allgemeine Zeitung wurde im Jahre 1880 von Theodor Hertzka gegründet.

32

An die Eltern, 3. 8. 1888. Siehe Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 297–299. Bein gibt als Redakteur des Blattes Sándor Bródy, den bekannten Bühnenautor an, doch es handelt sich um Zsigmond Bródy (1840-1906) (in der Zeitung als Sigismund Bródy angeführt). Klammersetzung nach dem Originaltext.

33

Dr. Fodor Mamroth (1851–1907) war in der Feuilletonsparte der Wiener Presse, später in jener der Frankfurter Zeitung tätig.

34

An die Eltern, 16. September 1891. Siehe Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 469 f.

35

Siehe den Brief v. 5. März 1882, ebda., S. 100–103. Heinrich Kana (1857–1891) war Herzls Jugendfreund und Studienkollege in Wien. Er stammte aus einer armen rumänischen jüdischen Familie und trug sich selbst mit dem Gedanken, Schriftsteller zu werden. Der Name der betreffenden Cousine ist nicht überliefert.

36

Brief v. 17. März 1882, ebda., S. 105 ff.

37

Ebda., S. 704.

38

Ebda., S. 619 ff.

39

An Hermann Sudermann, 29. Juni 1887, ebda., S. 266 ff. Der deutsche Schriftsteller und Redakteur Sudermann (1857–1928) arbeitete überwiegend in Berlin.

40

Baron Ignaz von Kolisch (1837–1889) wurde in Pressburg geboren, war als Bankier und Journalist tätig. Er galt als einer der berühmtesten Schachspieler seiner Zeit. Bis 1888 war er Eigentümer der Wiener Allgemeinen Zeitung. Seine Person fand auch Einzug in die Literatur: Ferenc Móra verewigte ihn in seiner Novelle A sakkbáró [Der Schachbaron].

41

Ebda.

42

An Wilhelm Fischer, 24. Februar 1889, ebda., S. 309.

43

An Marie Herzfeld, 31. Oktober 1889, ebda., S. 315. Die in Kőszeg (dt. Güns) geborene Marie Herzfeld (1855–1940) war als Schriftstellerin, Literaturkritikerin und Übersetzerin tätig.

44

Zur Geschichte des Organs siehe Hedvig Ujvári: A Neue Illustrirte Zeitung helye és jelentősége a magyarországi német sajtó történetében [Die Verortung und Bedeutung der NIZ im deutschsprachigen Pressewesen Ungarns]. Magyar Könyvszemle Jg. 128 (2012), Nr. 4, S. 455–465; und dies.: Die Verortung und Bedeutung der Neuen Illustrirten Zeitung im Pressewesen der Monarchie. Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 2010/2, S. 51–56.

45

Zur Geschichte des Blattes siehe Hedvig Ujvári: Ein Beiblatt des Pester Lloyd: die Ungarische Illustrirte Zeitung. Magyar Könyvszemle Jg. 121 (2005), Nr. 1, S. 80–91.

46

Dieses Beiblatt wollte den heimischen Interessen und dem Geschmack der Zeit gerecht werden. Ziel war es, sowohl dem Inhalt als auch der Ausgestaltung nach ein Blatt herauszugeben, das ausländischen Organen ebenbürtig sei. Für ihr Unternehmen standen den Gebrüdern Deutsch die besten literarischen Kräfte zur Seite. Das neue Supplement wollte im Gegensatz zu den vorangegangenen Beiblättern seine Beiträge nicht proportional auf Mode und Literatur aufteilen: Obwohl die Seitenzahl um die Hälfte erhöht wurde, trachtete das Blatt in erster Linie danach, der Verbreitung der Belletristik gerecht zu werden. Außerdem waren eine gehobene künstlerische und technische Gestaltung und nicht zuletzt ein günstiger Abonnementspreis vorgesehen. Siehe Ungarische Illustrirte Zeitung Nr. 51 v. 25. Dezember 1872, Beilage.

47

Der bekannte österreichische Schriftsteller, Karl Emil Franzos (1848–1904), war bereits in ungarischen deutschsprachigen Presseorganen zugegen. Seine Originalbeiträge, vor allem Feuilletons, wurden vom Pester Lloyd (1874, 1876, 1878–1879) sowie vom Ungarischer Lloyd (zwischen 1870 und 1873), vom Neuen Pester Journal (1873) und von der Ungarischen Illustrirten Zeitung übernommen.

48

Balduin Groller (urspr. Béla Goldscheider; 1848, Arad – 1916, Wien) war mit seinen humoristischen Beiträgen u. a. in der Wiener Illustrirten Zeitung, im Sonn-und Feiertags-Kurir, in der Gartenlaube sowie im Neuen Pester Journal präsent.

49

An die Eltern, 29. Juni 1885. Siehe Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 183 f.

50

Ein Zugstück. Novellette. Neue Illustrirte Zeitung 1887, Nr. 14, S. 214 f. und Nr. 15, S. 235 f.

51

Neues von der Venus“. Von Theodor Herzl. Leipzig 1887. Verlag von F. Freund. Neue Illustrirte Zeitung 1887, Nr. 51, S. 814. Der Titel führte allerdings zu Verwirrungen bzw. Fehldeutungen. Herzl ediert hier seine bereits zuvor veröffentlichten Feuilletons. Zwar kommt in dem Band die Liebe als Thema vor, aber Sexualität wird nicht einmal am Rande berührt, den Schriften mangelt es gänzlich an Erotik. Das hinderte allerdings einige Blätter, u. a. das satirische Organ Fliegende Blätter, nicht daran, Anzeigen unter einem solchen Titel zu veröffentlichen.

52

An Moriz Szeps, Ende 1885 [ohne genaue Angabe]. Siehe Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 224.

53

An die Eltern, 30. November 1885, ebda., S. 215; sowie Autobiographische Schriften, S. 639.

54

An die Eltern, 3. Dezember 1885, ebda., S. 218 f. Den Verknüpfungspunkt zwischen den beiden Organen stellt der Historiker und Journalist Heinrich Friedjung (1851–1920) dar, der im Jahre 1879 in die Redaktion der Deutschen Zeitung, des offiziellen Organs der deutschnationalen Bewegung, kam, als dessen Chefredakteur er 1886–1887 tätig war. Friedjung galt als heftiger Gegner des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs, denn seines Erachtens hatte er Österreich mehr geschadet als die Niederlage bei Königgrätz. Zwischen 1883 und 1886 gab er die Wochenschrift heraus, bei der er auch um Herzls Mitarbeit bat. Infolge des zunehmenden Antisemitismus distanzierte sich Friedjung jedoch von den deutschnationalen Ideen.

55

Der Gründer und Herausgeber des Organs war Rudolf Mosse (1843–1920).

56

An die Eltern, 3. Dezember 1885. Siehe Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 218 f.

57

Zwischen dem 18. Oktober 1886 und 14. Februar 1887.

58

An die Eltern, 11. August 1886. Siehe Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 230. Das Deutsche Montagsblatt erschien ab Januar 1889 unter dem Titel Der Zeitgeist.

59

Einige Titel: Der Streik der Dichter, Ras Alulah, Der Karneval von Venedig. Siehe: An die Eltern, 4. März 1887, ebda., S. 248 ff.

60

Mit der Vergütung des Blattes war er zufrieden. Siehe: An die Eltern, 26. März 1887, ebda., S. 261 f.

61

An die Eltern, 4. März 1887, ebda., 248 ff.

62

An die Eltern, 22. März 1887, ebda., S. 259.

63

An die Eltern, 24. März 1887, ebda., S. 260. Schriftweise und Hervorhebungen wie im Original.

64

Ebda.

65

An Eduard Bacher, 14. Oktober 1887, ebda., S. 277 f. Eduard Bacher (1846–1908) ist mit der Neuen Freien Presse gleichzusetzen. Seit 1872 war er für das Blatt tätig, nach 1879 war er dessen Chefredakteur, 1880 übernahm er die Herausgabe (später gemeinsam mit Moritz Benedikt) des Blattes.

66

An die Eltern (zwischen dem 15. und 28. August 1887), ebda., S. 272 f. Mitbegründer (ursprünglich Frankfurter Handelszeitung), dann ab 1867 Eigentümer des Blattes war der Publizist und Politiker Leopold Sonnemann (1831–1909).

67

Ebda., S. 272.

68

Das von Moriz Szeps (1833–1902) im Jahre 1867 gegründete Neue Wiener Tagblatt galt nach 1874 als die auflagenstärkste liberale Tageszeitung Wiens. Das 1874 gegründete Fremdenblatt stand der Regierung nahe und bekundete Interesse für Herzl. Im Jahre 1877 publizierte er im Organ.

69

Ebda., S. 273.

70

An die Illustrirte Frauenzeitung, Berlin, 9. Februar 1890, ebda., S. 323. Das Organ wurde 1874 von Franz Lipperheide (1838–1906) gegründet und redigiert. Es erschien zweiwöchentlich im Großfolio-Format mit Modebeilagen.

71

An die Eltern, 18. Oktober 1886, ebda., S. 245.

72

Ferdinand Kürnberger (1821–1871) war für mehrere liberale Organe tätig; Karl Kraus sah in ihm einen der Väter und Vorbilder des Wiener Feuilletons. Ludwig Speidel (1830–1906) war 40 Jahre lang als Theaterkritiker für die Neue Freie Presse tätig.

73

Kernmayer: Judentum im Wiener Feuilleton, S. 212.

74

Das 1798 gegründete Organ betrachtete sich als unabhängiges liberales Tagblatt.

75

An Hugo Jacobi, 7. Februar 1890. Siehe Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 322.

76

Ebda., S. 477.

77

An Heinrich Kana, 8. Juli 1882, ebda., S. 112 f.

78

An die Eltern, 4. März 1887, ebda., S. 248 ff.

79

An Eduard Bacher, 14. Oktober 1887, ebda., S. 277 f. Der antizionistisch gesinnte Moriz (Moritz) Benedikt (1849–1920) stand seit 1872 im Dienste des Blattes. Ab 1880 bis zu seinem Ableben zeichnete er für die kommerziellen Angelegenheiten der Zeitung verantwortlich. 1880 wurde er Mitherausgeber der NFP, von 1908 bis zu seinem Tod fungierte er als Chefredakteur.

80

Oskar Blumenthal (1852–1917) war als Theaterredakteur und Leiter des Feuilletons bis 1887 tätig, danach stand er an der Spitze des von ihm gegründeten Lessing Theaters. Seine Aufgaben wurden von Paul Lindau (1839–1919) übernommen.

81

An Eduard Bacher, 6. Januar 1888, ebda., S. 279 f.

82

Klaus Dethloff (Hg.): Theodor Herzl oder Der Moses des Fin de siècle. Wien–Köln–Graz, Böhlau, 1986 (Monographien zur österreichischen Kultur-und Geistesgeschichte 1), S. 14 f.

83

An die Eltern, 3. August 1888. Siehe Bein et al.: Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, S. 297.

84

Ebda., S. 297 f.

85

An Hugo Wittmann, ebda., S. 478 f.

86

Ebda., S. 479 ff. Hervorhebung im Original.

87

Heinrich Heine (1797–1856) war als Paris-Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung tätig; Paul Lindau (1839–1919) lebte in der französischen Hauptstadt, bevor er 1863 die Redaktion der Düsseldorfer Zeitung übernahm; Hugo Wittmann (1839–1923) war 1869 Korrespondent der Neuen Freien Presse; dieselbe Aufgabe übernahm Wilhelm Singer (1847–1917) bis 1887. Der Franzose Henri de Blowitz (1852–1903) war hier Korrespondent der Londoner The Times.

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